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Neues Stück des Burgtheaters feierte Premiere

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Was Grünert seinem Publikum präsentiert ist eigentlich nicht neu. Die meisten haben schon von Adam und Eva, von Noah, vom Turmbau zu Babel, von Abraham, Isaak und Moses gehört. Doch wie er es macht ist wahrhaft beeindruckend. Mit einer unvergleichlichen Mischung aus Geist, Wissen und Komik erzählt er die Geschichten des Alten Testaments neu, nimmt sein Publikum mit in längst vergangene Zeiten, ist ein Lehrmeister der biblischen Geschichte. Einzigartig intelligent und gleichzeitig komisch demonstriert er zum Beispiel dem Publikum als eine Mischung aus Gärtner, Gott, Chirurg und Geschichtenerzähler mit plastischen Hilfsmitteln die Geschichte der Entstehung der Welt. Mit unwahrscheinlicher Leichtigkeit rast Grünert durch die Jahrtausende umfassende Geschichte und schafft es dabei spielerisch sein Publikum mitzunehmen, ja mitzureißen, es nicht vom Haken zu lassen, bis nach 90 Minuten alles vorbei ist. So lange spielt Grünert alle Rollen allein, aber nicht für sich. Wer sich eine Lehrstunde in biblischer Geschichte nicht entgehen lassen möchte, dem sei ein Ausflug auf die Burg Eisenhardt wärmstens empfohlen.

Quelle: www.die-mark-online.de   &  Brandenburger Wochenblatt, 23.08.2009

 

Märkische Allgemeine, Fläming Echo, 04.12.2007
Wohlsein zu Weihnachten dank Erfindungen aus dem Fläming
SCHAUSPIEL Singen, lachen, staunen – Konrad Büchner weiß das Publikum (und sich) gut zu unterhalten

Von Kerstin Henseke

BELZIG Eine wilde Fahrradklingel, quietschende Bremsen auf dem Kirchplatzpflaster, ein flotter Hüftschwung und dann kommen sie, die Aufzeichnungen, Lebensbeichten, Memoiren, Testamente, Briefe, Urkunden, Dokumente und Zettel. Schon in der Generalprobe wird der markante Eingangsvers am Kirchenportal zu St. Marien mitgesprochen.

Dr. Konrad Büchner ist wieder da. Und das so sinnlich wie nie. Der kauzige Sprachforscher alias Frank Grünert, oder umgedreht, hat seinen unerschöpflichen Truhen mit schnökendönsschen Hinterlassenschaften das Geheimnis uralter Weihnachtsbräuche entlockt. In einem einzigen Gedicht enthüllten sich ihm die spätmittelalterlichen Riten, in die das Publikum nun mit allen Sinnen eingeführt wird. Kommen Sie also, kommen Sie!

Natürlich ein Stall, das war im Fläming nicht anders. Die Raufe gefüllt mit Tannengrün, an der Decke Lichtersterne, drehende Pyramiden, geschnitzte Holzfiguren in den Nischen. Erinnerungen und Bilder steigen auf, hindurch dringt unverkennbar ein Duft nach Spekulatius und neunmal gewürztem Wein. Nicht delikat, aber trinkbar war die Traube, so berichtet Konrad Büchner, die im 16. Jahrhundert im Fläming reifte. Als eines Winterabends der Gastwirt Benke vom Händler Albrecht mehr vom Roten holte, fiel letzterem beim Abfüllen die weihnachtliche Gewürzmischung seiner Frau ins Fass. Der Glühwein, das haben wir geahnt, ward im Fläming erfunden.

Konrad Büchner, seiner Forscherleidenschaft treu, serviert dem Publikum Tradition und Wein in fein gereimtem Wortwitz, grotesker Ernsthaftigkeit, temperamentvollen szenischen Dialogen, in denen er zwei Rollen zugleich spielt, und einer wohldosierten und stets treffend gelandeten Komik in Geschichte und Gestus. Und das Rezept gibt's anschaulich dazu. Büchner ist aus Belzig nicht mehr wegzudenken.

Noch nie hat das Publikum so viel gelacht, gestaunt und Wohlsein verströmt wie in der „Sagenhaften Weihnacht“, und das liegt nicht nur am Glühwein.

Auch Büchner will seinen Spaß und so lässt er die Zuschauer singen. Weil Weihnachten ist und natürlich auf Schnökendöns. In der vierten Staffel der Büchner-Saga, die Grünert und sein Regisseur Harald Richter längst zu einer unumstrittenen Erfolgsgeschichte gemacht haben, sollte man das verlangen dürfen. Die Stimmung im dicht besetzten kleinen Stall strebt dem Höhepunkt entgegen, noch bevor Grünert-Büchner oder umgedreht die Geschichte von der Weihnachtspyramide – na klar, auch im Fläming erfunden –, vom sozial schwachen Adventskalender, seiner eigenen Vorliebe für schokoladengefüllte, und schließlich in knisternder Stille das Wunder von Belzig erzählt – von versunkenem Glockenturm, einem mutigen Mädchen im Schneesturm und den Zwillingen in der Mauerstraße 2.

Weil's so schön war, wird am Ende noch mal gesungen. Die Liederzettel verschwinden in den Taschen. „Die nehmen wir in die Kirche mit“, gluckst eine Frau. Der Kantor sollte schon mal artikulierte Ö's üben. „Ölle Jöhre wönne . . .“

 

MAZ vom 16.08.2005
Kerstin Henseke

WIESENBURG. Das Bild ist geläufig: Da zieht jemand in ein über hundert Jahre altes Haus und findet unter alten Dielenbrettern oder beim Auswechseln des morschen Dachgebälks eine Kassette mit alten Briefen, Dokumenten, Tagebüchern, Lebensbeichten, Zetteln. Frank Grünert musste gar nicht erst suchen. Mit dem Borner Pfarrhaus erwarb er auch gleich das gut gehütete Gemeindearchiv, das bis heute nur teilweise gelesen auf dem Dachboden seiner Enthüllung harrt. Als ihm sein Bruder eines Samstags zum Aufziehen des Uhrwerks mit einer Videokamera auf den Kirchturm folgt und Schauspieler Frank Grünert nicht weiß, was er sagen soll, schnackt er halt Schnökendöns.

Das lautmalerische Kauderwelsch mit ziemlich vielen Ö's und die nach ihm benannten Manuskripte sind heute, etwa vier Jahre später, wesentliche Zutaten einer dramaturgischen Erfolgsstory. Als kauziger Sprachforscher Dr. Konrad Büchner (ver)führt Frank Grünert seit vorigem Jahr mittels der "einzigen gereimten Alltagssprache im deutschsprachigen Raum, wenn nicht gar im Weltraum" die Belziger und ihre Gäste mit skurrilen Histörchen an lauschige, geheimnisvolle Plätze der Innenstadt. Der Strom der Besucher reißt nicht ab. Mehr als 25 theatralische Stadtrundgänge mit jeweils bis zu 80 Zuschauern hat der 38-Jährige absolviert, nun noch eins draufgesetzt und seinen Dr. Konrad Büchner "exportiert".

Unter den köstlich amüsierten Premierengästen am Donnerstagabend in Wiesenburg waren, an den teilweise mitgesprochenen Texten hörbar, ganz offensichtlich Belziger "Wiederholungstäter".

Kein Wunder, denn hier funkelt alles: die unbändige Freude, mit der der Forscher seine Entdeckungen unter die Leute missioniert, der brillante Wortwitz in den gereimten "Übersetzungen", die maßvoll dosierte und sicher platzierte Komik, die die gefährliche Nähe zum Klamauk doch immer sicher zu umschiffen weiß. Büchner, mit seinen Hochwasserpumphosen, dem stets zum moralisierenden Ratschlag erhobenen Zeigefinger ist trotz seines wie eine Karikatur wirkenden Habitus' ganz klar ein Sympathieträger, dazu einer mit großem Unterhaltungswert.
"Er liebt Liebesgeschichten kolossal, will die Leute beglücken und an ihre Herzen rühren und freut sich kindlich, dass er selbst tragische Geschichten, wenn alle Zuhörer schon die Köpfe hängen lassen, weil sich Johanna von Wiesenburg reuevoll im Schlossteich ertränkt und Ritter Winfried im selben Moment fernab den Tod findet, wieder humorvoll auflösen kann", so Frank Grünert über Dr. Konrad Büchner, mit dem er sowohl die Liebe zu alten Manuskripten und geschliffener Sprache als auch die überspringende jungenhafte Freude daran teilt, auf möglichst spannende Weise seine Geschichtchen unters Volk zu bringen. Das muss anstecken, und deshalb gibt es zwischen dem Mimen und dem auf Klapphockern lauschenden Publikum, das sich mit dem Darsteller durch die von Regisseur Harald Richter geleitete Inszenierung bewegt, weder räumliche noch symbolisch zu verstehende Bühnengräben. Für Frank Grünert ist gerade diese "durchaus harte Nähe, weil man völlig sichtbar wird", ein kommunikatives Abenteuer, das immer wieder neu auszuloten er sichtlich genießt. Vorsichtig ertastet er die Stimmung in der Gruppe; wenn diese bereits bei der zweiten Station die geschickt platzierten Wiederholungen mitspricht, setzt er noch eins drauf. Schlagfertig und trocken meistert der Schauspieler auch die unvorhersehbaren Ablenkungen unter freiem Himmel und bringt auch jenes deutliche Mehr an schauspielerischer und stimmlicher Präsenz auf, das nötig ist, wenn der sicher begrenzte Bühnenraum fehlt.

Was bleibt, sind ein sagenhafter Rap im Ohr und atmosphärische, fantasievolle Bilder im Kopf, die von dem Ort möglicherweise mehr vermitteln als eine historisch verbürgte Stadtführung.

 
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